Fragen an den NABU

Fragen an den NABU:

Ihr Bundesverband hat im Jahr 2008 lt. Jahresbericht 21 Millionen Euro Einnahmen gehabt. Davon stammten 13,3 Millionen Euro aus Spenden.

Finden Sie es in Ordnung, wenn im gleichen Zeitraum der NABU Braunschweig nach eigenen Angaben auf fast 17.000 Euro Fehlbetrag aus Prozessen sitzenbleibt?

Finden Sie dass der NABU-Bundesverband bzw. der NABU Niedersachen den Protest zur Rettung des Querumer Forstes ausreichend deutlich betreibt? Auf der Webseite für das „Schutzgebiet des Monats“ erwähnen Sie die Gefährdung z.B. schlicht überhaupt nicht [Stand 2009-12-19].

Jede Spenden die jemals ein Normalbürger an den NABU gemacht hat, war für genau solche Fälle wie den Querumer Forst gedacht! Damit Sie effizienten Widerstand leisten wenn die Natur unangemessen beeinträchtigt wird! Und nun haben Sie ja auch noch 190.000 Euro für Vogelschutz von der Landesregierung bekommen. Inwieweit werden Sie dieses Geld für Aktionen zur Rettung des Querumer Forstes einsetzen?


ich habe ja versprochen alle Stellungnahmen ungekürzt öffentlich zu machen. Es ist erfreulich, dass der NABU auf die von mir gestellte Frage nach der möglichen Befangenheit sofort reagiert hat. Hier eine Mail von Herrn Oeliger vom NABU. Ich bitte um Verständnis, dass ich im Anschluß dazu noch ergänzende Fragen habe:


Sehr geehrter Herr Marwede,

ich bin auf Ihre Internetseite und die Diskussion um den Ausbau des
Braunschweiger Flughafens gestoßen. Dort gehen Sie auch auf die
Partnerschaft zwischen Volkswagen und NABU ein und stellen die Frage, ob
dies in irgendeiner Form auch Auswirkungen auf die Positionierung des
NABU hinsichtlich des Flughafenausbaus hatte und hat.

Als Referent für Verkehrspolitik beim NABU-Bundesverband möchte ich dazu
kurz Stellung nehmen und die Antwort lautet ganz klar: NEIN! 

Warum?

1. Der NABU-Braunschweig ist ein eigenständiger Verein. Als
NABU-Bundesverband können wir, selbst wenn wir wollten, nicht die Arbeit
und Positionierung des Kreisverbandes bestimmen. Die Partnerschaft mit
der Volkswagen AG besteht auf Bundesverbandsebene, nicht jedoch mit dem
NABU-Braunschweig. Der von Ihnen erwähnte Polo BlueMotion ward in
Braunschweig nie gesehen. Er war eine Leihgabe an den Bundesverband und
kann daher auch nicht verkauft werden.

2. Wer sich die Arbeit des NABU-Braunschweig zum Thema Flughafenausbau
genauer ansieht, wird eindeutig feststellen, mit welchem Engagement und
welcher Konsequenz - auch in Zusammenarbeit mit den Bürgerinitiativen -
dieses Thema dort verfolgt wird. 

3. Der NABU in Braunschweig hat die volle inhaltliche Rückendeckung des
NABU-Bundesverbandes was die Ausbaupläne betrifft. Wir sind klar gegen
diesen Flughafenausbau, wie übrigens gegen jeglichen Ausbau von
Regionalflughäfen. Wirtschaftliche und ökologische Gründe sprechen gegen
derartige Pläne. 

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Gerne können Sie
diesen Beitrag auch auf Ihrer Seite veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar Oeliger
Referent Verkehrspolitik
- - - - - -
NABU
Bundesgeschäftstelle
Charitéstr. 3
10117 Berlin

Tel. +49 (0)30.28 49 84-1613
Fax +49 (0)30.28 49 84-3613
Mobil: 0172.9201823

www.NABU.de
  1. 8. Dezember 2009, 21:53 | #1

    Sehr geehrter Herr Oeliger,

    dieses Gesprächsangebot nehme ich gern an. Ich bitte um Verständnis, dass ich hier nicht die hundertste „Rettet den Wald – Seite“ eröffnet habe. Ich viel mehr eine offene und erkennbar unvoreingenommene Diskussion erreichen.

    Deshalb habe ich alle Gedanken die ich zu der Angelegenheit mir selbst gemacht habe – und alles was mir von dritter Seite hierzu an Argumenten zugetragen wurde als „Startschuß“ für diese Diskussion eingebracht, und freue mich nun auf klare Ansagen von allen Seiten 🙂

    Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass Ihre Satzung in § 5.4 zu Ihren Einflussmöglichkeiten etwas völlig anderes sagt. Dort steht wörtlich:


    Untergliederungen sind an die Beschlüsse und Weisungen des Naturschutzbund Deutschland (NABU) e.V. gebunden.


    Das klingt ganz anders als Ihre Aussage „Als NABU-Bundesverband können wir, selbst wenn wir wollten, nicht die Arbeit und Positionierung des Kreisverbandes bestimmen.“

    Ich glaube im Sinne der Sache wäre es nützlich, wenn Sie die Mitarbeit des NABU am Nachhaltigkeitsbericht von Volkswagen etwas genauer beschreiben. Immerhin wirbt Volkswagen mit der Zusammenarbeit mit Ihnen sehr intensiv. Dabei stört es offenbar nicht sehr, dass Ihre immerhin weisungsgebundenen KollegInnen in Braunschweig Volkswagen verklagen.

    Das darf einen dann schon ein bisschen wundern …

    Viele Grüße,
    Ihr Klaus Marwede

  2. 14. Dezember 2009, 02:02 | #2

    Ich habe in der Zwischenzeit dem NABU diese Mail geschrieben:


    Hallo Herr Oeliger,

    dieses Mal an einen recht großen Kreis, denn ich bin einigermaßen schockiert, – und das von mir befürchtete Marketingdesaster nimmt langsam Formen an.

    Ein Desaster, das sowohl dem NABU als auch unserer Region sicher mehr schaden wird. Ihnen wird es mehr schaden als die Zusammenarbeit mit Volkswagen nutzt, und der Region wird es mehr schaden, als 600 Meter Startbahn jemals nutzen können, denn hier hängt ja nun mal alles irgendwie an Volkswagen. Aber zur Sache:

    Erst bleiben Sie in Ihrem Beitrag auf meiner Webseite nicht bei der Wahrheit was Ihren Einfluss auf die Ortsvereine angeht [Anmerkung 2009-12-30: Ich habe mich in der Zwischenzeit mit Herrn Oeliger hierzu auseinandergesetzt. Ich glaube ihm, dass er sich in dieser Frage lediglich geirrt hat]

    http://www.querumer-forst.de/?page_id=218

    (siehe Ihre Satzung, § 5.4) und dann finde ich als nächstes dies im Netz:

    http://niedersachsen.nabu.de/naturerleben/schutzgebiete/schutzgebietdesmonats/10416.html

    Mal ganz ehrlich: Sieht so „vehementer Widerstand“ aus? Das Schutzgebiet des Monats … und der Flughafen ist da nicht mal erwähnt! Und der Artikel ist aus Dezember 2008!

    Zu Ihrer Glaubwürdigkeit und zur Glaubwürdigkeit Ihrer integren Kooperation mit Volkswagen bei gleichzeitig ebenso integrer Prozessführung gegen Volkswagen trägt das alles allerdings nicht unbedingt bei, und je länger ich recherchiere wird das immer „fischiger“.

    Ich denke es ist höchste Zeit, dass Sie sich klar entscheiden, ob Sie Naturschützer sind oder ein „Ökomarketing-Beratungsunternehmen“.

    Wenn Sie wirklich Naturschützer sind, müssten Sie meines Erachtens jetzt ganz, ganz dringend und vor allem schnell ein Zeichen setzen, indem Sie die Zusammenarbeit mit Volkswagen ausserordentlich aufkündigen. Es ist Ihnen nicht zuzumuten, dass Sie in einem Atemzug mit Volkswagen und Artenschutz bzw. Volkswagen und Umweltschutz im Internet agieren, wenn gleichzeitig VW als wesentlicher Gesellschafter den Flughafenausbau mitverantwortet. Und das begleiten Sie dann am besten in Verbindung mit exzessiver Öffentlichkeitsarbeit, die dann aber anders aussehen darf als diese:

    An die Adressaten von Volkswagen: Der NABU sieht in dieser Angelegenheit weitaus schlechter aus als Sie, und Ihnen als Wirtschaftsbetrieb steht es natürlich zu, sich den NABU als Partner für Ihr Ökomarketing zu suchen, während es dem NABU aber absolut nicht zusteht Naturschutzinteressen bei einem interessanten Geschäftspartner wie Volkswagen derart krass zurückzustellen.

    Und dann noch dies: Leitende Leute Ihres Unternehmens argumentieren mit Fairneß gegenüber Partnern (in dem Fall der Flughafengesellschaft) wenn sie sagen, dass man aus dem Projekt nicht mehr aussteigen kann. Wie ist es mit der Fairneß gegenüber Ihrem Partner NABU? Der wird an dieser Sache böse zu knabbern haben, und das wiederum nutzt dem Ökomarketing von Volkswagen auch nicht wirklich.

    In diesem Zusammenhang möchte ich schon jetzt den Kollegen des NABU in Braunschweig sagen (die derzeit wegen meiner Angriffe auf den NABU ein bisschen sauer auf mich sind):

    Nicht ich störe Euren Protest – sondern Euer Bundesverband lässt Euch hängen!

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr
    Klaus Marwede


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